Von der Lithiumverarbeitung bis zur Fahrzeugprüfung

Weg von fossilen Treibstoffen, hin zur E-Mobilität: In Europa sind in den kommenden Jahren über 25 Batterie-Megafabriken mit einer Produktionskapazität von 800 Gigawattstunden jährlich geplant, darunter Unternehmen unweit von Sachsen-Anhalt wie CATL in Thüringen und Tesla in Brandenburg. Ein wichtiger Hotspot ist auch Sachsen-Anhalt selbst aufgrund seiner traditionell starken chemischen Industrie, den Forschungseinrichtungen und den Clustern im Chemiedreieck, aber auch, weil das Land das Thema ganz oben auf die Agenda gesetzt hat. Ziel der IMG ist daher, in der Fokusbranche möglichst alle Stationen der Wertschöpfungskette abzubilden und Unternehmen bei ihren Ansiedlungs- und Erweiterungsprojekten zu unterstützen.

Raffinerie soll 2022 entstehen

Die jüngste Ansiedlung gab es 2021 im Chemiepark Elsteraue/Zeitz im Bereich Lithiumverarbeitung: Das niederländische Unternehmen AMG plant dort den Bau einer Lithiumhydroxid-Raffinerie. Die Investitionen für Labor und Produktion schätzt AMG auf 50 bis 60 Millionen US-Dollar, die erste Ausbaustufe wird voraussichtlich schon 2022 fertiggestellt sein. Dabei soll Lithiumhydroxid in Batteriequalität gewonnen werden und vom zentralen Standort Sachsen-Anhalt aus an Batterieproduzenten und Autobauer in Europa geliefert werden.

Batterie-Kompetenzzentrum für Sachsen-Anhalt

Ein wichtiger Ansiedlungserfolg ist der IMG im Jahr 2019 gelungen: Der global führende Batteriehersteller Farasis Energy Inc. hat sich für den Standort Bitterfeld-Wolfen entschieden. Mit einer Investitionssumme von mehr als 800 Millionen Euro sowie zunächst 600 neuen Arbeitsplätzen soll nicht nur ein reiner Produktionsstandort entstehen, sondern ein Batterie-Kompetenzzentrum, das den kompletten Lebenszyklus von der Entwicklung über die Herstellung bis zum Recycling abdeckt.

Speichersysteme für Gewerbekunden

Eine weitere Station der Wertschöpfungskette deckt das Unternehmen TESVOLT GmbH ab: 2014 in Wittenberg gegründet, entwickelt und produziert TESVOLT Lithium-Batteriespeichersysteme für Gewerbekunden. Mithilfe des IBG-Fonds, des Risikokapitalfonds des Landes, konnten 2017 die Fertigungslinien ausgebaut und die Technologien weiterentwickelt werden. Das innovative Speichersystem zeichnet sich durch einen neuen Sicherheitsstandard aus, bietet bis zu zehn Prozent mehr Gesamtwirkungsgrad als andere Speichersysteme und weist eine kalendarische Lebensdauer von 30 Jahren auf. Vor allem Gewerbekunden nutzen TESVOLT -Batterien zur Speicherung von selbst erzeugtem Strom oder im Rahmen von Off-Grid-Anwendungen. Der Markt dafür wächst weiterhin rasant.

Größtes unabhängiges
Prüffeld der Welt

FEV aus Sandersdorf-Brehna hingegen ist Sachsen-Anhalts Kompetenzzentrum für Entwicklung und Erprobung von Fahrzeugantrieben. Dazu gehören u.a. die Auslegung von Karosserie und Fahrwerk, innovative Lichtsysteme und Lösungen zum autonomen Fahren sowie Connectivity. FEV hat im Jahr 2020 ein hochmodernes Entwicklungs- und Testzentrums für Hochvoltbatterien für PKW und Nutzfahrzeuge am Standort Sandersdorf-Brehna in Betrieb genommen. Der 12.000 Quadratmeter große Komplex beinhaltet Einrichtungen zur elektrischen Prüfung von Modulen und kompletten Hochvoltbatterien. Er umfasst ein Prüfkammervolumen von ca. 600 m3, verteilt auf 54 Klimakammern mit einer elektrischen Leistung von 30.000 kW. Das neue Entwicklungszentrum verfügt damit über das bislang größte unabhängige Batterieprüffeld der Welt. Im Entwicklungszentrum hat FEV fast 100 neue Arbeitsplätze geschaffen und ist damit auf 350 Beschäftigte gewachsen.

„Fertigung von Elektrobatterien benötigt Spezialchemikalien und vor allem spezielles Know-how. Beides ist hier vorhanden, deshalb glaube ich daran, dass Sachsen-Anhalt für E-Batterien das werden kann, was Taiwan für die Chipherstellung ist.“

Götz Schüle
Senior Manager Chemie- und Kunststoffindustrie

Batterietechnik Wertschöpfungskette

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